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Empörungskultur im Netz

Empörungskultur im Netz

 

Foto: flickr.com/photos/kayepants/

Gestern versammelten wir uns am Mediencamp in Wien und tauschten uns in vielen spannenden Sessions über die Themen aus, die uns aktuell auf der Medienseele brennen. Ich für meinen Teil nahm mir vor, mich eine Runde übers Aufregen aufzuregen. Nicht nur, weil ich Metaebenen immer schon cool fand, sondern auch, weil wir da etwas tun müssen. Die Diskussion, die im Anschluss an meinen kleinen Input stattfand, war voller wichtiger und vor allem wahrer Punkte, die ich hier nun sammeln möchte.


Motto: Hängt sie höher!

Meine Session begann damit, meine aktuelle Wahrnehmung zu schildern. Wir empören uns. Wir regen uns auf. Wir schimpfen, spucken, treten. Ohne Maß und Ziel. Wir baden uns darin, jemanden anzuprangern. Wir genießen es, eine Sache zu zerreißen. Wir lieben es, einen Fehler entdeckt zu haben. Wir kosten es aus, diese Fehler zu betonen und den Finger drauf zu halten. Wir bilden uns ein, darüber richten zu können, was richtig, was falsch, was gut und was böse ist. Wir drohen, ätzen und sind schadenfroh. Jeden Tags aufs Neue. Ohne Verhältnismäßigkeit. Ohne Reflektion. Ohne Gespür. Bis wir keine Lust mehr haben. Oder ein neues Opfer gefunden ist. Eine einzige Sauercrowd.

 

Warum sind wir eigentlich so sauer?

Na weil das Spaß macht! Hui, da kann der Tag so richtig schön starten, wenn ich schon um 06:30 die Timeline durchscrolle und eine, im Idealfall sogar noch ungeliebte, Person ist so richtig böse daneben getreten und wird jetzt online dafür gehasst. Vor dem Zähneputzen noch schnell einen boshaften, bissigen und möglichst destruktiven Kommentar hinterlassen und dabei zusehen, wie stunden- und tagelang hingetreten wird. Geil. Und dann? Ja irgendwann wird die gehasste Person in irgendeiner Form reagieren, was aber eigentlich auch vollkommen egal ist, weil wir da meist schon jemand anders hassen. Kurz zusammengefasst: Ereignis, Hass, Hass, Hass, fertig. Warum ich damit so ein Problem habe? Natürlich schon einmal, weil ich Hass hasse. Ich will Frieden und Liebe. Harmonie, Freude, Einhörner und Regenbogenkuchen zum Frühstück. Und warum noch? Weil wir nicht weiterkommen. Wir kommen keinen Schritt weiter. Wir beschäftigen uns nicht mit dem Problem, der Verfehlung oder dem Ereignis, das uns alle so waaaaahnsinnig erzürnt hat. Wir wollen uns eine Runde drüber aufregen und das war es dann. Selbstverständlich ist das der einfachere Weg. Kurz ein WTF OMG FAIL irgendwo hin zu rotzen ist viel einfacher, als sich sachlich, in passendem Rahmen und in aller Ruhe damit zu beschäftigen und dafür zu sorgen, dass der Fehler kein zweites Mal passiert.

 

Ein Beispiel: Matt Taylor

Matt Taylor ist jener schlaue Physiker, der die erfolgreiche Rosetta-Mission geleitet hat. Er fand, es wäre eine gute Idee, am Tag der Landung der Rosetta-Landeeinheit Philae auf dem Kometen ein Shirt anzuziehen, das ihm seine beste Freundin geschenkt hat:

In meinen Augen ein Fehler.

Die Reaktion auf #shirtgate könnt ihr euch vorstellen. Man schnappte sich die Heugabeln und rannte emotionsgeladen und wutentbrannt los, um Matt zu kriegen. Der entschuldigte sich in einer Pressekonferenz unter Tränen dafür und es war erledigt. Gut. Oder? Nein, nicht gut. Der konstruktive Diskurs fehlte (bis auf ein paar Blogbeiträge, danke!) völlig. Es wurde nicht darüber gesprochen, warum die Frauendarstellungen auf Matt’s Shirt an diesem Tag besonders, aber auch an jedem anderen Tag problematisch sind. Es gibt bestimmt einige Leute, die fundiert und ohne Giftspucken darüber sprechen und schreiben können. Stattdessen fauchen wir zwei Tage hin, Matt entschuldigt sich, wir reden nicht mehr darüber und sind schon gespannt darauf, wer sich am nächsten Tag etwas leistet.

Ich wurde gefragt, ob ich denn nicht glaube, dass sich der nächste Matt Taylor vermutlich zweimal überlegen wird, welches Shirt er aus dem Kasten holt. Ja, das glaube ich. Aber aus den falschen Gründen. Er wird sich nicht gegen das Shirt entscheiden, weil er die Darstellung problematisch findet, sondern, weil er der hassenden Meute keinen Grund liefern will.

Apropos Entschuldigungen: Mir wäre wichtig, dass ehrlich gemeinte Entschuldigungen auch etwas wert sind. Oft werden diese unter den Tisch gewischt, einfach, weil wir mit unserer Empörung noch nicht fertig sind. Trotzdem müssen Menschen weiterhin das Recht haben, Fehler machen zu dürfen. Oder wer von euch wirft den ersten Stein?

Es geht auch ohne Fehler

Bislang sprach ich davon, dass wir hasserfüllt losrennen, wenn jemand glücklicherweise einen Fehler begangen hat. Mein nächstes Beispiel zeigt aber, dass wir noch nicht einmal einen Fehler brauchen. Lann Hornscheidt unterrichtet an der Humboldt Uni Berlin und bittet auf der Website, geschlechterneutrale Ansprachen wie Liebx Profx zu verwenden. Wir können uns sicher darauf verständigen, dass diese Bitte und diese x-Variante ungewöhnlich, ungewohnt, vielleicht unpraktisch oder etwas kurios sind. Was über Lann Hornscheidt, nachdem jemand diesen Screenshot auf Facebook gepostet hat, hereingebrochen ist, macht mich sprachlos und betroffen. Androhnung von Vergewaltigung. Androhnung von Mord. Androhnung von Zerstückelung. Weil Hornscheidt sich erdreistet hat, anders zu sein. Unsere potentiell konstruktive Schwarmintelligenz machen wir uns damit schön hübsch kaputt. Menschen trauen sich nicht mehr, Kontroverses zu sagen oder zu tun. Aus Angst vor dem wütendem Mob.

 

 

Woher kommt dieser unglaubliche Hass?

Wer mir jetzt mit dem “Naja das waren halt ein paar unterbelichtete Volldeppen” kommt: Nein. Sogenannte hochrangige MedienvertreterInnen haben sich auf Facebook einen Wettkampf der boshaftesten Kommentare zu der Geschichte geliefert. Immer so ein bisschen mehr politisch inkorrekt als der oder die KollegIn. Weil hihi. Ich hab den größten! Den größten Mut, eine herablassende Meldung dazu zu veröffentlichen. Und alle lachen. Retweet. Fave. Hihi. Wenn ich das nächste Mal noch ein bisschen bösartiger schreibe, kommen noch mehr Retweets und Likes. Geil.

Die Rolle der Promis

Beschriebenes Szenario ist bei den sogenannten Promis wunderbar zu beobachten. Je extremer und unerwarteter eine Meldung ist, umso mehr wird sie von der Community abgefeiert. In ihren schicken Redaktionen würde ihnen so etwas nie über die Finger kommen. Aber im Social Web sind sie ja als Privatpersonen unterwegs und da dürfen sie dann schreiben, was sie wollen, richtig? Richtig. Und gefährlich. Twitteraccounts mit vielen zehntausenden Followern wissen sehr genau, was und wie es geschrieben werden muss, damit die Post abgeht. Ein verbaler Seitenhieb zum Beispiel funktioniert immer gut. Und genau deshalb würde ich mir wünschen, dass sie sich ihres Einflusses bewusst werden und mit gutem Beispiel vorangehen, was konstruktive Kritik und Zurückhaltung in der Empörungswelle anbelangt. Eine kurze Reflektion über den aktuellen Grund der Aufregung und ein schnelles Überfliegen der Notwendigkeit eines #WTF #FAIL #OMG würde schon viel helfen.

Ich habe mich in meiner Session oft auf Ingrid Brodnig bezogen, die schon sehr viel Schlaues und Gutes zu dem Thema gesagt hat. Besonders schön finde ich, einen alten und abgedroschenen Satz wieder hochleben zu lassen: Was du nicht willst, das man dir tut, das füge auch keinem anderen zu. Stellt euch nur mal eine Sekunde vor, wie es für euch wäre, in der Ecke zu stehen und mit jenen Aussagen beworfen zu werden, die ihr so im Repertoire habt. Tausendfach.

Liebhaben.

Zurücklehnen. Durchatmen. Lesen. Denken. Löschen.

Auf Fehler, so es denn welche sind, angemessen reagieren. Konstruktiv. Lösungsorientiert. Shitwordbingo. Egal. Liebhaben.

Abschließend möchte ich mich für die vielen Kraftausdrücke in meiner Session entschuldigen. Ein Zuhörer meinte, eine Session über Empörung zu halten und dabei zu schimpfen wie ein Rohrspatz wäre auch bezeichnend. Die mussten leider sein, um dem Ganzen den richtigen Drall zu verpassen. Lustig, dass sich offline nach zweimal Arschloch und scheiße jemand unwohl fühlt, online halten wir das aber locker aus. Es gibt auch leider keine jugendfreie Entsprechung zu supergschissen. Sorry.

 

Diesen Beitrag habe ich im April 2011 geschrieben. Steht dasselbe drin wie hier. Mh.

(Danke an die OrganisatorInnen! Es war ein tolles Mediencamp und es hat sich gezeigt, wie toll dieses Konzept einer Konferenz ist. Viel gehört, gelernt, geredet. Bitte nochmal! #mcvie)

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