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Breaking: Wir sind gar nicht so toll

Breaking: Wir sind gar nicht so toll

Mein heutiger Morgen begann wie immer um 07:30 mit einem absurd großen Becher Kaffee, einem Birne-Banane-Smoothie und ein paar beruflichen Mails, die ich abschicken wollte, bevor ich um 10:00 zu einem langen Termin aufbrach. Das erzähle ich euch, weil ich euch zeigen will, wie super busy und working und crazy und hip ich bin. Und damit ihr euch schlecht fühlt. Meint zumindest dieser Artikel mit dem total untertriebenen Titel: “Instagram macht uns alle zu Psychopathen”.

 

Der Artikel zieht nach einigen absurden Vergleichen und beknackten Formulierungen (sie hat angefangen! Sie hat mich Psychopathin genannt!) folgendes Fazit: ”Und es ist die schädlichste, die böseste und die kaputteste App, denn sie macht süchtig nach einer Lightversion des Stalkings.”
Okidoki, wenn ein Artikel heftig-like abgehen soll, muss man natürlich ein Schäufelchen drauflegen und alle UserInnen sind dann gleich komplett durchgeknallt und brauchen nichts außer eine eng zugeknöpfte Habmichliebjacke. Außerdem ist man voll vorne dabei, wenn man etwas scheiße findet, das viele anderen mögen. Die richtigen Hipster finden nämlich Hipstersachen doof. So sei es. Wenn man diese paar Prozentpunkte abzieht, könnte man anfangen, darüber nachzudenken, ob in dem Artikel auch etwas Wahres steckt. Ich versuche einmal, es halbwegs objektiv zu formulieren:

Verstärken Plattformen wie Instagram, den gesellschaftlichen Druck, schön, dünn, erfolgreich und mega-awesome zu sein, weil sie den Eindruck erwecken, dass alle um einen herum tatsächlich nichts außer schön, dünn, erfolgreich und mega-awesome sind? Angetrieben durch bearbeitete, befilterte und bescheuert behashtaggte Fotos? Ich möchte diese Frage mit einem eindeutigen Ja beantworten. Sogar mit einem Ja sicher. Peergroups haben uns schon immer besonders stark beeinflusst. Das, was meine FreundInnen und Bekannte tun und sagen, lenkt maßgeblich das, was ich selbst tue und sage. Neu ist das nicht. Es geschieht nur über neue Plattformen (manchmal habe ich das Gefühl, wir wiederholen uns. Also wir Offlinern-das-Online-Erklärern) Und was ist dann neu? Die Reichweite. Das plötzlich besonders sportliche und beschäftigte und gesunde und vorbildliche Verhalten meiner Freundin kann über Social Media Plattformen nicht nur mich und fünf andere Tanten beeinflussen, sondern gleichzeitig hunderte Unbekannte. Dass sich Menschen in unterschiedlichem Maße, je nach Thema, Umfeld und Gemütszustand beeinflussen lassen, ist ebenfalls bekannt. Sind wir unzufrieden in einer Situation, suchen wir nach Wegen und Ratschlägen, die Situation zu ändern. Und das wäre der einzige Punkt, an dem ich mich mit dem Artikel anfreunden kann. Denn je größer die Reichweite, desto größer die Chance, Menschen zu erreichen, die sich in einer Art und Weise von den Inhalten beeinflussen lassen, die schädlich für sie ist. Dann kann es auch gefährlich werden, wenn es um Leistungsdruck, Schönheitsideale, Essgewohnheiten und das eigene Selbstbewusstsein geht. Für diese Gruppe von Menschen könnte man sich tatsächlich mal bei der Nase nehmen und nachkontrollieren, ob das eigene Gepose nicht schon ein normales Schokoseitenverhalten übersteigt. Ab und zu mal ein realitätsnahes Eingeständnis darf auch sein.

Was aber immer wieder komplett außer Acht gelassen wird: Die allermeisten UserInnen können denken, differenzieren, abwägen, einschätzen. Sie sind mündig, können Inhalte einordnen und in der richtigen Schublade bei sich abspeichern. Es sind intelligente Wesen, denen man mehr als ein Mindestmaß Selbstverantwortung übertragen darf und muss. Sonst müsste man jeden einzelnen Post als komplett aus dem Kontext gerissen sehen und es gäbe keine Verbindungen mehr zwischen Texten, Bildern, Videos, Blogbeiträgen, Blogs, Accounts und Personen. Außerdem dürfen wir uns dann nicht darauf verlassen, dass Menschen wissen, wie ein Leben funktioniert und woraus es besteht. Dann heißt das einzige Instagramfoto des Tages von einem grünen Smothie: Diese Person hat den ganzen Tag nichts als einen grünen Smothie zu sich genommen.

Gut, wir können uns also darauf einigen, dass Menschen so etwas wie einen vernünftigen Menschenverstand besitzen und durchaus verstehen, dass ein Leben nicht nur daraus besteht, was davon auf Instagram präsentiert wird. Und auch die Tatsache, dass wir uns auf unseren liebsten sozialen Kanäle von unserer Schokoseiten zeigen, ist weder neu, noch schlimm, noch psychopathenmäßig. Oder was habt ihr bei eurem letzten Klassentreffen erzählt? “Ja weißt du, ich hab einen unterbezahlten Job, mein Hund hat mir letztens auf den Kopfpolster gekackt und mein Alkoholkonsum startet manchmal schon um 11:30″ ? Nicht so ganz oder? Das ist ok und wir alle wissen es. Auch die Fashionbloggermädels haben behaarte Furunkel am Hintern, die super sporty Fitnesstypen müssen nach ihrem Eiweißshake pupsen wie ein Elch und die so wahnsinnig erfolgreichen Startupmenschen hassen manchmal ihr Leben zwischen Schlaflosigkeit, Bürokratie und vernachlässigten Freunden.

Ich will sagen: Passt schon, Welt-Artikel, wir sind geistig durchaus so weit, zu wissen, was uns da präsentiert wird und was davon wie zu verstehen ist. Und wenn ich ehrlich bin, ist mir ein “Ich liebe meinen Chiasamen-Cranyberry-Mandelmilchsmoothie! #fitdurch2014″-Post eh lieber als jener über Hinternfurunkel.

Was ich am Welt-Artikel auch überhaupt nicht kapiert habe, ist, dass die Plattform Schuld daran sein soll, dass wir armen UserInnen uns tagtäglich in den Schlaf weinen angesichts der perfekten Leben anderer Leute. Plattformen entwickeln den Zweck, den UserInnen ihnen geben. Auf Instagram kann man Fotos hochladen. Aus.

Lustig wäre allerdings eine Gegenplattform: Dort sollen nur Dinge veröffentlicht werden, die auf irgendeine Art und Weise nicht so super-awesome sind. Eine hässliche Frisur, ein ungesundes Mittagessen, eine schlecht gelaufene Präsentation, whatever. Das nennen wir dann Schlimmstagram (eine wunderschöne Wortkreation von Birgit). Um das Bild des wirklichen Lebens im Netz um die blöden Seiten zu vervollständigen. Dabei bin ich mir gar nicht so sicher, ob wir das überhaupt wollen.

 

3 Comments

  1. Wenn ich an manche Teenie/Beauty Blogger Kommentatorinnen denke, bin ich mir bei der Mündigkeit der Internetgesellschaft nicht ganz so sicher…

    Diese “Gegenbewegung” hat jemand mit dem Hashtag #photoiwouldneverpost (https://instagram.com/explore/tags/photoiwouldneverpost/) auf Instagram übrigens schon mal versucht zu starten. Bei Klick auf den Link merkt man aber schnell, dass es bei vielen nicht so ganz angekommen ist.

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  2. Zitat aus dem Welt-Artikel:

    “Und sie zerstört das Glück durch seine permanente Verbildlichung.”

    Mir “sie” ist die App gemeint.

    Wobei, ob nun bei Instagram, Facebook, Google+ oder Twitter Bilder gepostet werden (und mit welcher Technologie), macht nun auch nicht so den Unterschied.

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  3. Einerseits ja, andererseits: Ich lese überall das “Mündige Menschen wissen ja, dass…” – Damit würde sich aber eigentlich jegliche Diskussion über Medieninhalte erübrigen. Wir wissen, dass die Schauspieler in “Hostel” nicht wirklich gequält wurden, wir wissen, dass Kriegsberichterstattung nur kleine Ausschnitte der Wirklichkeit zeigt, wir wissen, dass sämtliche Modelfotos komplett bearbeitet sind. Wäre dann ja quasi alles wurscht.

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